Das Schweizerhaus im Wiener Prater: Wo die Stelze Legende ist und das Bier perfekt fließt

Wer Wien besucht, sucht meist nach kaiserlichem Prunk, barocken Schlossgärten und dem klassischen Wiener Schnitzel. Doch es gibt einen Ort inmitten des legendären Wurstelpraters, an dem die Wiener Seele ihre bodenständigste, geselligste und kulinarisch spektakulärste Form annimmt: Das Schweizerhaus. Für viele Wiener gehört ein Besuch dort genauso zum Sommer wie ein Spaziergang durch den Grünen Prater oder eine Fahrt mit dem Riesenrad.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - der Eingangsbereich von oben - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Es ist nicht einfach nur ein Biergarten. Es ist eine Institution, ein lebendiges Kulturdenkmal und für viele der wahre Mittelpunkt des Wiener Praters.

Das Schweizerhaus ist kein künstliches Touristen-Highlight, sondern ein echtes Stück Wiener Lebensgefühl. Wer hier an einem lauen Sommerabend unter den Kastanienbäumen sitzt, ein Gemischtes trinkt und die knusprige Stelze teilt, der versteht, was die Wiener mit „Gemütlichkeit“ meinen!

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - wie immer Andrang am Eingang - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Eine Reise durch die Zeit: Die Geschichte des Schweizerhauses

Die Wurzeln des Schweizerhauses reichen weit zurück – sogar weiter als die des Wurstelpraters selbst. Bereits im Jahr 1766 öffnete Kaiser Joseph II. den Prater, das kaiserliche Jagdrevier, für die Wiener Bevölkerung. Schon kurz darauf, vermutlich um 1814, stand an der Stelle des heutigen Betriebs eine „Schweizer Hütte“.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - perfekt: Die Stelze und das Budweiser Gemischte sowie Kren und Peperoni - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Der Name verrät die Herkunft: Damals wurden in den kaiserlichen Jagdanlagen Schweizer Sennbuben und Jagdhelfer beschäftigt. Die Wienerinnen und Wiener pilgerten dorthin, um Milchkühe zu bestaunen und Schweizer Käsespezialitäten zu genießen.

Ihren heutigen Charakter erhielt die Gaststätte jedoch ab dem Jahr 1920. Damals übernahm Karl Kolarik den Betrieb. Mit visionärem Geist, eiserner Disziplin und einem unfehlbaren Gespür für Qualität verwandelte er das Lokal in den Biergarten, den wir heute kennen.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - zwei die zusammen gehören - das Schweizerhaus und das Gemischte - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Bereits 1926 brachte Karl Kolarik das tschechische Budweiser Budvar nach Wien und legte damit den Grundstein für die bis heute bestehende Biertradition des Hauses.

Trotz der völligen Zerstörung des Praters im Zweiten Weltkrieg baute die Familie Kolarik das Schweizerhaus mit viel Herzblut wieder auf. Bis heute wird die Institution in dritter und vierter Generation als Familienbetrieb geführt.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - das Gemischte schmeckt im Biergarten - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Die Bedeutung heute: Der größte Gastgarten Österreichs

Heute ist das Schweizerhaus weit mehr als eine Gaststätte – es ist ein Phänomen. Wenn am 15. März die Pratersaison beginnt, gleicht das Schweizerhaus einem Ameisenhaufen aus Lebensfreude.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - der Biergarten ist immer gut gefüllt - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Das Besondere: Hier sitzt der Wiener Bürgermeister neben dem Handwerker, die internationale Touristengruppe neben der Wiener Traditionsfamilie. Es ist ein Ort der absoluten Demokratie des Genusses. Das Schweizerhaus ist das Wohnzimmer unter freiem Himmel.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - eigene Haltestelle für den Praterzug - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Zahlen, Daten, Fakten, die beeindrucken

Der riesige, schattige Gastgarten bietet Platz für rund 2.400 Gäste. Damit man sich bei dieser Größe nicht verläuft, ist der Garten in Wiener Gemeindebezirke und Prater-Attraktionen unterteilt (z. B. „Leopoldstadt“ oder „Riesenrad“). So findet jeder seinen Tisch.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - zur Orientierung sind die Gassen nach Bezirken benannt - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

An gut besuchten Wochenenden im Sommer gehen hier mehrere tausend Gäste ein und aus. Die Kellner vollbringen hier täglich Höchstleistungen. Sie tragen Tabletts mit unzähligen Bierkrügen und schweren Stelzen in einem Tempo durch die Gänge, das an Leistungssport grenzt.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - das frische gemischte Bier wird in Mengen zu den Tischen gebracht - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Das flüssige Gold: Das Geheimnis des Bieres

Wer ans Schweizerhaus denkt, denkt an perfekt gezapftes Bier. Die Partnerschaft mit der tschechischen Brauerei Budweiser Budvar ist legendär. Das Bier wird in speziellen Tanks geliefert und lagert im tiefen Keller unter dem Praterboden bei optimaler Temperatur.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - Bierfilzl-Weisheit - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Genaue Zahlen werden nicht genannt, aber Schätzungen zufolge fließen an gut besuchten Tagen im Schweizerhaus zwischen 4.000 und 5.500 Liter Bier durch die Zapfhähne. Pro Saison werden schätzungsweise zwischen 600.000 und 800.000 Liter Bier getrunken. Das Schweizerhaus ist weltweiter Spitzenreiter: Keine andere Einzelgastronomie auf der Erde verkauft so viel Budweiser Bier wie der Biergarten im Wiener Prater.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - das Gemischte von Budweiser Budvar - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Die legendäre Knusper-Stelze ist der absolute Renner auf den Tischen. An Rekordtagen gehen im Schweizerhaus zwischen 1.200 und 1.800 Stelzen über den Tresen. Über die gesamte Saison hinweg kommt das Schweizerhaus auf eine stolze Summe von schätzungsweise 180.000 bis 220.000 verkauften Stelzen.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - die Spezialität ist die Schweizerhausstelze - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Ein paar Fun-Facts zur Logistik dahinter

Der Bierkeller: Um diese Mengen zu bewältigen, wird das Bier nicht in normalen Fässern gelagert. Unter dem Schweizerhaus befinden sich riesige, computergesteuerte Tanks, die direkt von tschechischen Tanklastwagen befüllt werden.

Das „Krügerl-Karussell“: Damit das Bier perfekt schmeckt, müssen die Gläser eiskalt und sauber sein. Die Spülmaschinen im Schweizerhaus laufen im Sekundentakt und schaffen Tausende Gläser pro Stunde.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - Nachts gut beleuchtet, das Schweizerhaus-Schild - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Das Zapf-Geheimnis

Ein Budweiser im Schweizerhaus wird nicht einfach lieblos eingeschenkt. Es wird mit extrem viel Feingefühl und in mehreren Zügen gezapft, sodass eine cremig-feste Schaumkrone entsteht, die fast wie Schlagobers auf dem Glas sitzt.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - Kellner mit gemischtem Bier - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Der kulinarische Geheimtipp: Das „Gemischte Bier“

Auf der Karte findet man das klassische Helle und das dunkle Budweiser. Die wahre Kunst für Kenner ist jedoch das „Gemischte“. Hierbei zapfen die Schankmeister helles und dunkles Bier in ein Glas. Die herbe Frische des hellen Bieres verbindet sich perfekt mit den malzig-süßen, fast an Karamell erinnernden Noten des Dunklen. Ein Geschmackserlebnis, das ideal zu den deftigen Speisen passt!

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - das Gemischte vor dem Budweiser-Schild - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Die Königin des Hauses: Die originale Schweizerhaus-Stelze

Es gibt kein Vorbeikommen an ihr: Die Original Schweizerhaus-Stelze (Schweinsstelze oder Schweinshaxe) ist das kulinarische Aushängeschild.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - perfekt: Die original Schweizerhausstelze mit Bier und Beilagen - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Was macht sie so besonders?

Die Stelzen werden nach einem streng geheimen Familienrezept in einer würzigen Lake vorgekocht und anschließend auf riesigen Rotationsgrills so lange gebraten, bis das Fett schmilzt und die Schwarte Blasen wirft. Das Ergebnis ist ein kulinarisches Meisterwerk: Innen butterweich und saftig, außen so krachend knusprig, dass man es im halben Biergarten hört.

Gegessen wird die Stelze ganz traditionell: Sie wird nach Gewicht berechnet, auf einem Holzbrett serviert und mit frisch geriebenem Kren (Meerrettich) und süsem oder scharfem Senf garniert. Dazu bestellt man am besten ein frisches Krügerl Bier und je nach Gusto eine Gurke, gemischte Pepperoni, Erdäpfelsalat, Krautsalat oder ein Salzstangerl.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - perfekt: fachmännisch löst der Kellner den Knochen aus der Stelze - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Natürlich bietet die Spreisekarte noch viele andere Gerichte wie Erdäpfelpuffer, Schweizerhaus-Rohscheiben (hausgemachte Kartoffelchips), Grillhendl, Znaimer Gulasch, Hausgemachte Mehlspeisen und saisonale Wiener Spezialitäten. So findet jeder etwas wenn man keine Lust auf Stelze hat.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - Mehlspeise - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

5. Was man sonst noch wissen muss

Die „Sperrstund“ im Winter: Das Schweizerhaus schläft im Winter. Die Saison läuft strikt vom 15. März bis zum 31. Oktober. Wer im Winter kommt, steht vor verschlossenen Toren. Der „Saisonstart“ im März wird von den Wienern wie ein Feiertag zelebriert.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - es wird abgeräumt - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

Fazit

Wer Wien wirklich erleben möchte, sollte zumindest einmal unter den Kastanienbäumen des Schweizerhauses sitzen, ein frisch gezapftes Budweiser genießen und sich eine knusprige Stelze schmecken lassen. Erst dann versteht man, warum dieses Lokal für viele Wiener weit mehr ist als nur ein Restaurant.

Das Schweizerhaus im Wiener Prater - auch dem Autor schmeckt das gemischte Bier - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

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Informationen

Adresse: Karl Kolarik’s Schweizerhaus, Prater 116, 1020 Wien (2. Bezirk)

Telefon: +43 1 72 80 15 20

Mail: info@schweizerhaus.at

Reservierungen: Telefonisch oder per E-Mail möglich

Web: www.schweizerhaus.at

Insta: schweizerhaus

Öffnungszeiten: Tgl. 11:00 bis 23:00 Uhr (Küche bis 22:00 Uhr) während der Saison vom 15. März bis 31. Oktober

Öffentliche Verkehrsmittel: U1 / U2 Station Praterstern  |  U2 Station Messe-Prater  |  Straßenbahn Linien 1 / 5 / O Haltestelle Praterstern  |  Linie 1 Haltestelle Prater-Hauptallee  |  Bus Linien 5B / 80A / 82A Haltestelle Praterstern  | S-Bahn Linien S1 /S2 /S3 / S4 / S7 Haltestelle Praterstern 

Quellen: Google Gemini  | Website Schweizerhaus

Bilder: © Peter Muck (Nikon Z6 II, Sony Xperia 1-IV


Das Schweizerhaus im Wiener Prater - durch das beleuchtewte Ausgangstor zum Hochkarusell - www.wien-erleben - Fotos by Peter Muck

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