Das Parlament in Wien ist ein beeindruckender Bau an der Wiener Ringstraße, unweit vom Rathaus gelegen. Sechs Jahre wurde das Parlament renoviert und war in dieser Zeit nicht öffentlich zugänglich und durch das Gerüst auch kein schönes Fotomotiv. Das hat sich jetzt aber zum Glück mit dem Ender der Renovierung Anfang 2023 geändert.

Führungen im Parlament
Das Gebäude erstrahlt in neuem Glanz und es gibt sehr viele Angebote die zu einem Besuch einladen. So habe ich mich bei meinem letzten Wienbesuch gleich zu einer kostenlosen Architekturführung angemeldet. Diese war sehr schön und informativ. Das Gebäude ist innen genauso eindrucksvoll wie von außen.

Neben der Architekturführung werden noch Führungen speziell für Kinder und Familien, Führungen durch die Bibliothek und das Archiv oder die Führung Parlamentarismus und Frauen sowie eine Kunstführung angeboten. Den Link zu ausführliche Infos zu den Führungen am Ende des Beitrags in den Informationen.

Viele Angebote für Besucher
Neben den Führungen gibt es noch ein großes Angebot für Besucher. So kann man im Demokratikum – Erlebnis Parlament durch interaktive Stationen einen Einblick in die österreichische Demokratie und den Parlamentarismus gewinnen.
Auch die Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats sind öffentlich und können miterlebt werden. Ebenso steht die Parlamentsbibliothek und das Archiv Besuchern offen. Sie können dort recherchieren, ausleihen und verweilen.

Die Gastronomie im Hohen Haus
Im Dachgeschoss erwarten Sie das Restaurant Kelsen mit reichhaltigen Spezialitäten und feiner Küche. Benannt wurde es nach dem Juristen Hans Kelsen, der als „Vater der Verfassung“ Österreichs gilt. Für eine schnelle Versorgung zur Mittagszeit sorgt die Cantina und für den kleinen Hunger zwischendurch oder einen gepflegten Kaffee ist das Bistro zuständig.

Geschichte und Gebäude
Im weiteren Bericht habe ich einige interessante Fakten über die Geschichte des Gebäudes aber auch die politischen Hintergründe des Parlaments zusammengetragen.
Kaiser Franz Joseph gab 1857 den Bereich der zu schleifenden Stadtbefestigungen Wiens und ihres unverbaut gebliebenen Vorfeldes, des Glacis, für repräsentative Verbauung frei. Einzig das Josefstädter Glacis blieb davon zunächst ausgenommen. Hier befand sich seit dem 18. Jahrhundert ein militärisches Übungsgelände.

Dann wurde für das Militär ein Ersatzplatz auf der Schmelz gefunden. Der Kaiser genehmigte daraufhin die Errichtung dreier zentraler öffentlicher Bauten auf dem Paradeplatz: Reichsratsgebäude, Rathaus und Universität.
Das Reichsratsgebäude
Den Auftrag für die Planung des Reichsratgebäude erhielt der dänische Architekt Theophil Hansen im Jahre 1869.Die Grundsteinlegung für das nunmehrige Parlamentsgebäude, erfolgte im September 1874, der Rohbau war im August 1879 fertig. Bis zur ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses im neuen Reichsratsgebäude dauerte es noch bis zum Dezember 1883. Ein Jahr später folgte die erste Sitzung des Herrenhauses.

Die reine Bauzeit des Parlamentsgebäudes betrug ein Jahrzehnt, drei weitere Jahrzehnte dauerte die endgültige Ausgestaltung. So wurde der Athenebrunnen erst 1902, das 121 Meter lange Friesgemälde in der Säulenhalle sogar erst 1911 fertiggestellt.
Ein Bau im Dienste der Demokratie
Der Architekt Theophil Hansen entwarf das Gebäude im neoklassizistischen Stil. Er entnahm Bauformen und Symbolik der Formensprache der griechischen Antike, um dem Ursprung der Demokratie Rechnung zu tragen. Dank seiner weitsichtigen Konzeption, Planung und Ausführung schuf Hansen ein Monument und Wahrzeichen für die österreichische Demokratie.

Der plastische Schmuck an der Fassade und im Inneren verdeutlicht das Zusammenspiel der Gewalten und die Grundideen der Demokratie. Der Athenebrunnen vor dem Parlamentsgebäude verweist auf die Gewaltentrennung als ein Grundprinzip des modernen Rechtsstaates.

Die Symbolik des Gebäudes
Pallas Athene in der Mitte des Brunnens verkörpert die Staatsweisheit. Neben ihr sitzen zwei allegorische Figuren, die „Gesetzgebung“ mit einer Gesetzestafel und der „Vollzug der Gesetze“ mit Richtschwert und Waage.

Auf den Giebeln der Gebäudeflanken wird auf die Verwaltung und die Justiz hingewiesen.
Am Fuße der Rampe, die zum Parlament führt, stehen die Rossebändiger. Die Bronzeskulpturen der Männer, die Pferde zähmen, stellen einen Appell an die Parlamentarier:innen dar, ihre politische Leidenschaft zu zügeln. Die Abbildungen griechischer und römischer Geschichtsschreiber auf der Rampe mahnen die Verantwortung jedes politischen Handelns vor der Geschichte ein.

Im Inneren des Parlamentsgebäudes befinden sich prächtige Sitzungssäle und Räume, die für die parlamentarische Arbeit genutzt werden. Der bekannteste Raum ist der Nationalratssitzungssaal, in dem die Abgeordneten des Nationalrates tagen. Der Sitzungssaal des Bundesrates, der zweiten Kammer des Parlaments, ist ebenfalls von großer Bedeutung.

Wiederaufbau nach dem Krieg
In den Kämpfen des Zweiten Weltkrieges wurde das Parlamentsgebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt wurde circa die Hälfte der Bausubstanz durch Feuer und Bomben vernichtet, vieles schwer beschädigt.
Beim Wiederaufbau des Parlamentsgebäudes (1945–1956) wurde eine umfangreiche Infrastruktur als Teil des Gebäudes eingeplant. Das Parlament verfügte deshalb über eigene Wäscherei, Tischlerei und andere Werkstätten sowie entsprechende Personalressourcen.

Haus der vielen Geschichten
Seit seiner Einweihung im 19. Jahrhundert war das Parlamentsgebäude Schauplatz vieler historischer Ereignisse und Wendepunkte der Demokratie. So wurde es auch einige dunkle Jahre hindurch für nicht parlamentarische Zwecke benützt.

Der Reichsrat: Erstes multinationales Parlament der Welt
Acht Nationen, elf verschiedene Muttersprachen, 17 Kronländer, mehr als 30 Parteien und Gruppierungen, zuletzt 516 Abgeordnete – so präsentierte sich das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates zu der Zeit. Aufgrund dieser Vielfalt hatte Österreich das erste multinationale Parlament der Welt.

Von den Anfängen der Ersten Republik bis zu ihrem Ende
Die Übernahme des Parlamentsgebäudes durch die Republik erfolgte bereits vor der eigentlichen Gründung des neuen Staates. Am 3. November 1918 teilte Karl Renner als von der provisorischen Nationalversammlung gewählter Staatskanzler dem kaiserlichen Ministerrat mit, dass er das Gebäude für die Zwecke der deutschösterreichischen Regierung beschlagnahme.
Am 12. November 1918 erfolgte auf der Parlamentsrampe die Ausrufung der Republik durch die Parlamentspräsidenten.

Die scheinparlamentarische Nutzung endete mit der Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland. Gleichzeitig begann damit ein weiteres dunkles Kapitel in der Geschichte Österreichs und des Hohen Hauses.
Aneignung des Parlamentsgebäudes durch die Nationalsozialisten
Am 17. März 1938, fünf Tage nach dem „Anschluss“, wurde Josef Bürckel zum Beauftragten Adolf Hitlers für die Volksabstimmung in Österreich und zum kommissarischen Leiter der NSDAP ernannt. Später übernahm er das Amt des Gauleiters und Reichsstatthalters von Wien.Als Dienststelle wählte Bürckel das Parlamentsgebäude.

Im August 1940 löste ihn Baldur von Schirach als Gauleiter und Reichsstatthalter ab. In Abgrenzung zu seinem Amtsvorgänger wählte dieser als Dienstsitz das frühere Bundeskanzleramt am Ballhausplatz. Das Parlamentsgebäude wurde zum Gauhaus der NSDAP erklärt.

Ab März 1944 wurde Wien Ziel alliierter Luftangriffe. Das Parlamentsgebäude wurde am 7. und 21. Februar 1945 von Fliegerbomben getroffen. Es gab zwar keine Todesopfer im Haus, aber die entstandenen Zerstörungen machten viele Räumlichkeiten unbenutzbar.
Die Wiederaneignung des Parlaments
Am 13. April 1945 wurde Wien von der Roten Armee befreit. Es folgten die Gründungen der Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ. Gemeinsam proklamierten sie am 27. April die österreichische Unabhängigkeit. Die Provisorische Regierung unter dem ehemaligen Staatskanzler Karl Renner hielt ihre erste Sitzung am 29. April ab, mehr als eine Woche vor der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Bei der Wahl des Sitzungsortes setzte die neue Regierung ein Zeichen: Man entschied sich für das zerstörte Parlamentsgebäude, das nun wiederaufgebaut wurde. Der neu gewählte Nationalrat trat schließlich am 19. Dezember 1945 im Parlament zusammen.

Nationalrat und Bundesrat
Der Nationalrat ist die wichtigste Kammer und besteht aus 183 Abgeordneten, die durch allgemeine Wahlen alle fünf Jahre gewählt werden. Die Abgeordneten vertreten die politischen Parteien Österreichs und treffen sich im Nationalratssitzungssaal, um Gesetze zu diskutieren, abzustimmen und zu verabschieden. Der Nationalrat ist für die Gesetzgebung, Budgetangelegenheiten und die Kontrolle der Regierung zuständig.
Der Bundesrat ist die zweite Kammer des Parlaments und besteht aus 62 Mitgliedern. Die Mitglieder des Bundesrates werden von den Landtagen der österreichischen Bundesländer entsandt. Der Bundesrat hat eine beratende Funktion und prüft Gesetzesvorlagen, die vom Nationalrat verabschiedet wurden. Er kann Änderungen vorschlagen und dem Nationalrat Empfehlungen geben.
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Informationen
Adresse: Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien (1. Bezirk)
Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi, Fr von 8 bis 18 Uhr | Do von 8 bis 21 Uhr | Sa von 9 bis 17 Uhr | An Sonn- und Feiertagen ist das Parlamentsgebäude geschlossen.
Öffentliche Verkehrsmittel: U2 Haltestelle Rathaus | U2 / U3 Haltestelle Volkstheater | Straßenbahnlinien 1, 2, 71 und D Haltestelle Parlament
Telefon: +43 1 401 100
Web: https://www.parlament.gv.at
Führungen: www.parlament.gv.at/erleben/fuehrungen
Restaurant Kelsen im Parlament: www.kelsen.at

